In wenig zeigt sich das ev. Profil einer Schule klarer als in Schulgottesdiensten. Daher veranstalten wir zum dritten Mal eine Fortbildung zur Gottesdienstlots*in.

In wenig zeigt sich das evangelische Profil einer Schule klarer als in Schulgottesdiensten. Oft liegen sie in der Verantwortung von einzelnen Klassen, Lehrkräften oder Pfarrpersonen. Um mehr Schüler*innen mit ihren Bedürfnissen und Wünschen einzubeziehen, veranstalten wir bereits zum dritten Mal eine Fortbildung zur Gottesdienstlots*in. Ziel ist es, Schüler*innen der Klassenstufen 7 bis 10 zu ermutigen, Gottesdienste und Andachten in ihren Schulen selbst zu gestalten.

50 Jugendliche aus ganz Deutschland lassen sich zu Gottesdienstlost*innen ausbilden

„Es gibt offensichtliche einen großen Bedarf – wir haben jetzt schon Anfragen für nächstes Jahr“, sagt Projektleiterin Janne Neumann. Sie ist für die über ein Schuljahr laufende Fortbildung gemeinsam mit dem Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur (ZfGP) verantwortlich. In diesem Jahr sind sieben Schulen aus sechs Bundesländern dabei. Insgesamt wollen sich 50 Jugendliche zu Gottesdienstlots*innen ausbilden lassen.

Vernetzung gelingt: Schulen wollen sich gegenseitig hospitieren

„Wir variieren die Kurse jedes Jahr ein bisschen“, sagt Janne Neumann, „in diesem Jahr bieten wir an, dass die Teilnehmenden gemeinsam ein Projekt verwirklichen können.“ Ob das gelingt und von allen gewollt ist, steht noch nicht fest. Was aber sicher ist: Zwei teilnehmende Schulen wollen sich gegenseitig hospitieren.

Präsenztage in Wittenberg

Das Projekt ist in mehrere, teils digitale Module aufgeteilt. Das Herzstück bilden die Präsenztage im Zentrum für Predigtkultur in Wittenberg. In diesem Jahr reisten zwölf Schüler*innen und ihre Lehrkräfte in die Lutherstadt, um hier auszuprobieren, was es bedeutet, selbst Gottesdienste und Andachten zu halten. Wir haben in Wittenberg mit zwei Teilnehmerinnen und einer Lehrkraft über ihre Eindrücke gesprochen:

„Ich habe immer gute Erfahrungen mit Gottesdiensten gemacht“

Julie, Evangelische Werkschule Naunburg, Klasse 7

Julie, Evangelische Werkschule Naunburg, Klasse 7.

Julie, Evangelische Werkschule Naunburg, Klasse 7:

Warum hast du dich für das Projekt Gottesdienstlots*innen entschieden?

Das Projekt klang sehr interessant, ich wollte mal was Neues ausprobieren. Ich habe bisher immer gute Erfahrungen mit Gottesdiensten gemacht. Mit meiner Mama gehe ich immer in die Familiengottesdienste, ich singe auch im Chor.

Wie läuft ein Schulgottesdienst bei Euch ab?

Wir feiern jeden Montag morgen Gottesdienst, alle kommen rein, und da steht dann auch schon Herr Knittel, unser Religionslehrer, mit seiner Gitarre. Er freut sich, dass wir kommen, liest uns etwas vor. Manchmal erzählt er auch etwas aus seinem Leben, das mit der Geschichte zusammenhängt.

Wo siehst du deine Rolle in den Schulgottesdiensten?

Ich könnte mir vorstellen, zu aktuellen Themen Fürbitten zu schreiben. Zum Krieg, oder auch, was in dieser Woche bei uns los war, als viele krank waren. Auf alle Fälle will ich mehr Schüler in den Gottesdienst mit einbeziehen.

„Alle sollten am Gottesdienst beteiligt sein“

Georg Knittel, Diakon und Religionslehrer an der Evangelischen Werkschule Naunburg.

Georg Knittel, Diakon und Religionslehrer an der Evangelischen Werkschule Naunburg.

Georg Knittel, Diakon und Religionslehrer an der Evangelischen Werkschule Naunburg:

Warum engagieren Sie sich als Religionslehrer für das Projekt Gottesdienstlots*innen?

80 Prozent der Schülerinnen und Schüler an meiner Schule sind keine getauften Christen. Mir ist es ein Anliegen, dass Schüler an dem Prozess, was Glauben und Kirche bedeuten, beteiligt sind. Sich als Gottesdienstlotse vor so vielen Schülern zu zeigen, kostet Überwindung, ist aber auch ein gutes Übungsfeld.

Was wurde bisher im Projekt vermittelt?

Am Anfang haben die meisten gesagt: Ich traue mich auf keinen Fall, selbst eine Andacht zu machen. Genau das haben wir zum Thema gemacht: Trau dich!

Im Kurs hier lernen sie, frei zu sprechen und selbst eine Andacht vorzubereiten.

Hat sich an Ihrer Schule in Hinsicht auf die Andachten schon etwas geändert, seit Ihre Schüler*innen beim Gottesdienstlots*innen-Kurs dabei sind?

Ja, es haben sich einige bereit erklärt, bei den Lesungen mitzumachen und selbst Texte zu sprechen. Das Ziel ist ja, dass die Schüler eigenständig Andachten machen können. Es geht also schon Vieles in die richtige Richtung.

„Ganz wichtig ist es, nicht zu langweilen“

Marie, Evangelische Oberschule Belgern-Schildau, Klasse 8.

Marie, Evangelische Oberschule Belgern-Schildau, Klasse 8.

Marie, Evangelische Oberschule Belgern-Schildau, Klasse 8:

Was hat dich dazu motiviert, beim Projekt Gottesdienstlots*innen dabei zu sein?

Ich spreche gerne vor und mit Leuten. Im Projekt lernen wir, Gottesdienste selbst zu regeln. Als mich mein Lehrer gefragt hat, ob ich bei den Gottesdienstlotsen mitmachen möchte, dachte ich, das klingt doch super, da bin ich dabei.

Welche Erfahrungen hast du bisher mit Gottesdiensten gemacht?

Meine Eltern haben mich schon als Baby zu Gottesdiensten mitgenommen. Ich bin mit sechs Jahren getauft worden. In der Schule haben wir jeden Tag einen Mini-Gottesdienst, also eine Andacht.

Was hast du bisher im Projekt Gottesdienstlots*innen erfahren?

Ich lerne, wie ich die Leute gut mitnehmen kann und wie ich Texte so vorlese, dass man gerne zuhört. Ganz wichtig ist es, nicht zu langweilen. Das gelingt, wenn es einen selbst interessiert. Ich versuche, Gefühle reinzubringen und zu sagen, was ich zu Texten denke.

Kannst du schon etwas davon umsetzen, was du im Kurs gelernt hast?

Ja! Ich werde in unserer Osterandacht Jesus spielen. Wir haben mit unserem Religionslehrer Herrn Wietrichowski ein Passionsspiel geschrieben, so ähnlich wie die in Oberammergau. Da geht es um die Ostergeschichte, darum, dass Jesus schon vorher weiß, dass er verraten wird, dass er sterben wird und auch, dass er wiederkommen wird. Das Stück führen wir dann vor den anderen Schülern auf.

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