Ein Theaterprojekt der transkulturellen politischen und kulturellen Bildung

zum Thema Flucht und Heimat an den Evangelischen Johanniter-Schulen Wriezen, welches Dank der Förderung der Evangelischen Schulstiftung in der EKD ungesetzt werden konnte.

Mit 16 fasst Amir den Entschluss, nach Europa zu gehen. Seine Mutter und den jüngeren kranken Bruder lässt er im Iran zurück. Inzwischen ist er 18 Jahre alt und lebt in Potsdam.

Er möchte Mutter und Bruder zu sich holen. Doch aktuell droht ihm die Abschiebung in das ihm fremde Land Afghanistan. In einem Interview berichtet Amir detailliert von seinem Leben: von den Gründen, den Iran zu verlassen, von dem gefährlichen Weg und von seinen Empfindungen und Sehnsüchten. Er gewährt uns Zugang zu einer „anderen“ Welt, zu seiner Welt.

Amirs Erzählung diente als Ausgangsmaterial für die Arbeit mit den Schüler*innen des Gymnasiums der Evangelischen Johanniter-Schulen in Wriezen. Das Ziel war es, durch die intensive Auseinandersetzung mit der konkreten Geschichte eines afghanischen Jugendlichen mehr Verständnis für die oft sehr komplexen Situationen Geflüchteter zu gewinnen.

Im Zuge dessen konnten den Schüler*innen wichtige Informationen zur Lage in den Herkunftsregionen und Einblicke in globale politische Zusammenhänge vermittelt werden.

Diese konkrete Geschichte in den Kontext Schauspiel gesetzt. Unter Einbeziehung von Werken der Klassik wurden grundlegende, in Amirs Geschichte auftauchende und übertragbare Aspekte menschlicher Erfahrung auf einer persönlichen Ebene performativ erkundet.

Innerhalb dieser Übungen schafft das Entdecken von Formen des individuellen Ausdrucks sowie das Ausloten der eigenen Emotionalität auch eine emotionale Nähe zum Erzähler.

Die Original-Sprachaufnahme in Dari ermöglicht den auditiv-sinnlichen Zugang zu Amirs Person und Kultur. Teile davon wurden, gemeinsam mit selbst entwickelten Sprach- und Klangsequenzen, in die Gestaltung einer dynamischen Klangcollage eingebunden.

Das Verweben der Tonspuren ähnelt dem Verknüpfen unterschiedlicher kultureller und persönlicher, dabei auch fremdartiger und miteinander kontrastierender Qualitäten. Fragen der Verunsicherung durch das Unbekannte, Nicht-Deutbare konnten daran verhandelt werden.

In einem Theorie-Teil wurde die Geschichte Amirs in einem umfassenderen Kontext beleuchtet: kulturell, politisch, historisch. Dies erfolgte unter anderem in unterstützter Eigeninitiative, so dass hier die Fähigkeit zur autonomen und kritischen Erschließung und Betrachtung von Informationen gestärkt wurde.

Die dadurch erweiterte Perspektive führt zu einem vertieften Verständnis für die Auswirkungen globaler Machtpolitik und die daraus resultierenden Folgen für eine große Anzahl von Menschen unterschiedlichster Herkunft.

16 Schüler*innen der Klassenstufen 7 bis 11 an der Evangelischen Johanniter-Schulen Wriezen nahmen im Rahmen einer Projektwoche vom 28.-31.01.2019 an diesem Theaterprojekt teil.


Über die Sensibilisierung für die emotionalen, kulturellen und politischen Dimensionen des Themas Flucht hinaus bestand das praktische, präsentable Ergebnis des Projektes in einer Aufführung vor den Mitschüler*innen und Lehrenden der Schule.

Für viele der Teilnehmenden war der Umgang mit den künstlerischen Medien Schauspiel und Klang neu, sie ließen sich jedoch mit Neugier und Offenheit darauf ein.

Nach und nach erschlossen sich den Schüler*innen ganz neue Ausdrucksweisen und das Spektrum ihrer performativ-klanglichen Möglichkeiten erweiterte sich.

Bei der Zusammenführung beider Elemente erfuhren sie, wie diese sich ergänzen und gegenseitig unterstützen. Jede*r der Teilnehmenden war wichtig für das Gesamtkunstwerk.

Das Agieren in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen förderte die Kommunikation und Interaktion aller. Die Intension, die Schüler*innen sowohl auf kognitiver Ebene als auch in emotionalen, sinnlichen Bereichen anzusprechen, wurde im Projekt eingelöst.

Evang. Johanniter-Schulen Wriezen

 
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