Evangelische Schulstiftung - 77. Zweiter Fachtag Integration


Von Integration und Anti-Rassismuss-Workshops zur Schule der Vielfalt
2. Fachtag Integration

15 Lehrkräfte und 11 Schüler*innen mit Migrations- und Fluchtgeschichte trafen sich am 27. November 2019 zum zweiten Fachtag Integration der Evangelischen Schulstiftung in der EKD. Neben den Schulen der Integrationsförderung „Integration im Schulalltag gestalten“ (2017-2019) nahmen auch Lehrer des Evangelisches Gymnasium Bad Marienberg teil. Die Lehrkräfte freuten sich über das Wiedersehen und waren sich schnell einig: DaZ-Unterricht fördert Zivilcourage und ist soviel mehr als Spracherwerb.

 

Unter dem Titel „Werdet so, wie wir gerne wären“ ging es am Vormittag neben Fragen der Machtbeziehungen und gemeinsamen Werte auch um Augenhöhe, Empowerment und Rollen der Lehrkräfte, besonders in Bezug auf Unterstützung in der Bewältigung des Alltags und von Behördengängen. In einem anspruchsvollen Fachvortrag zeigte Professorin Alisha M.B. Heinemann von der Universität Bremen auf, welche Entscheidungen und Haltungen in den Schulen Integration beeinflussen. Hitzige Diskussionen um Theorie und Praxis entbrannten um die wissenschaftlichen Ergebnisse, zur positiven Wirkung muttersprachlichen Unterrichts.

 

Nach der Mittagspause würdigte Frau Dr. Fromke, Geschäftsführerin der ESS EKD, die abgeschlossene Sonderförderung „Integration im Schulalltag gestalten“ und das besondere Engagement der sieben beteiligten Schulen. Anschließend stellte sie die Abschlusspublikation „Vielfalt in Evangelischen Schulen“ vor. Diese lässt auf über 60 Seiten Lehrkräfte, Schüler*innen und Schulleitungen zu Wort kommen, berichtet von Schulentwicklungsprozessen und Tagungen und zeigt auf, was besonders gut gelungen ist, wo Herausforderungen gemeistert wurden und welche Fragen nach den zwei Jahren Integrationsbemühungen und Schulentwicklung offenbleiben. Fromke verband dies mit einem Dank an Friederike Goedicke, Fachbereichsleitung Integration und Inklusion in der ESS EKD, für die kompetente und engagierte Begleitung der Schulen und an die EKD für die Finanzierung der Sonderförderlinie. Die Abschlusspublikation kann in der Geschäftsstelle kostenfrei angefordert werden.

 

Um die Schule der Vielfalt zwischen Traum und Realität ging es am Nachmittag. Ein Input aus Nordhorn zum Thema „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zeigte mögliche Aktivitäten im Schulalltag auf. Des Weiteren stellten Schüler*innen aus Michelbach das Projekt „Federsammler“ vor. Die eigene Identität durch Schreiben zu suchen und zu stärken war das Ziel dieses Buchprojekts von Geflüchteten. Mut zum Träumen und über bisherige Schulgesetze und Sachzwänge hinwegzudenken machte Julia Willi Hamburg (MdL Niedersachsen) in ihrem Kurzvortrag. Hamburg betonte, dass gute Schule multiprofessionell aufgestellt ist und wünscht sich von ihren Kolleg*innen in der Politik „mehr Vertrauen, dass Schule schon Bildung ermöglicht.“ Zum Abschluss erarbeiteten gemischte Teams aus Lehrkräften und Schüler*innen ihre Visionen für Schulen der Vielfalt und Toleranz. Diese spiegelten die Diskussionen des Tages, aber nahmen auch Alltagserfahrungen mit in den Blick. „Mobbing und Gewalt raus – Respekt rein“, fasste eine Schülerin der 8. Klasse aus Michelbach ihre Vision zusammen „dann wird es bunt und schön in der Schule“.