Evangelische Schulstiftung - Nachricht


8:00 Uhr Wasserschlacht statt Stille Zeit

Es war heiß in der letzten Juni-Woche, als wir die Mira-Lobe-Grundschule besuchten. In Hannover auf dem Gelände des Annastifts wurde daher an diesem Siebenschläfer-Morgen eine Wasserschlacht angeordnet.

Hospitation der Mira-Lobe-Grundschule Hannover

Hospitation der Mira-Lobe-Grundschule Hannover

Lehrerin Nataliya Shcherbakova stellt Birger Schlichting das Konzept der reformpädagogischen Schule...

Lehrerin Nataliya Shcherbakova stellt Birger Schlichting das Konzept der reformpädagogischen Schule...

...und erläutert den Tagesablauf der heterogenen Klassengemeinschaft

...und erläutert den Tagesablauf der heterogenen Klassengemeinschaft

Das nasse Spektakel war längst vorbei, als wir1 in der Schule eintrafen, doch immer noch tobten draußen die Kinder und genossen sichtlich das schöne Wetter. Ein Empfang, der eine schöne Atmosphäre versprach. Auch drinnen bestätigte sich unser Eindruck, das gesamte Gebäude war sehr hell, durch die vielen Fenster wurden alle Räume mit viel Sonnenlicht durchflutet und machten die Schule so zu einem schönen (Lern-)Ort.
Auf der Suche nach Ansprechpartner*innen wurden wir auf die Küche verwiesen. Genau dort trafen wir auf einige Lehrkräfte. Die Küche sei zu einem der Lieblingsorte der Mitarbeiter*innen geworden, wie wir später erfuhren. Nicht nur das gemeinsame Frühstück mit der Klasse, das jede Woche stattfindet, sondern auch Pausen genießen die Lehrkräfte in der Küche. An der langen Tafel, an der alle Platz bekommen können, lassen sich auch gut die ein oder anderen Gespräche oder Besprechungen führen.
Mit der Lehrerin Lea König ging es dann ins Klassenzimmer, hier wurde schnell klar, wie vielfältig und unterschiedlich die Schule in vielen Bereichen ist. Kein Klassenraum gleicht dem anderen, denn die Tische stehen an unterschiedlichen Stellen und Formationen im Raum und auch die Tischhöhe variiert. Ein Grund dafür ist, dass die Schüler*innen von der ersten bis zur vierten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Durch die Tischhöhe erkennt man dabei ein bisschen die Verteilung zwischen den Klassenstufen. Niedrig, direkt neben hoch, und dann wieder niedrig, zeigt, dass hier alle gemischt in einem Raum sitzen und es keine Differenzierung der Klassenstufen gibt.
Gemeinschaft wird dabei, neben dem Unterricht und dem sich gegenseitig helfen, vor allem durch die Inklusion von Kindern mit körperlicher Beeinträchtigung geschaffen. Hier ist es für alle normal gemeinsam die Schulzeit zu erleben. Das neben dem gemeinsamen Unterricht etwa die Möglichkeit besteht, freitags etwas in der Aula der gesamten Schule zu präsentieren, gibt den Kindern mehr Chancen, sich vor und in großer Gemeinschaft persönlich zu festigen.

 

Viel Unterricht gab es zwar so kurz vor den Ferien für uns nicht mehr zu sehen, doch einen Eindruck über das gemeinsame Lernen und die Atmosphäre konnten wir trotzdem bekommen. Die Kinder zeigten sich höchst interessiert an uns: „Wer seid ihr?“, „Habt ihr Haustiere?“, „Wie alt seid ihr?“ waren die Fragen, die die Schüler*innen hatten. Es entwickelte sich ein lebhafter Dialog, denn auch wir waren neugierig, was das Besondere für die Kinder im Schulalltag in einer evangelischen Grundschule ist. „Dass ich hier gut lernen kann“, war eine Antwort, die wir besonders zur Kenntnis nahmen, aber auch, dass die vielen AGs bei einigen besonders beliebt sind. Schon in dieser kurzen Fragerunde gefiel uns die Offenheit der Schüler*innen.

 

Nach der Fragerunde widmeten sich die Schüler*innen jedoch wieder ihren Aufgaben. Heute stand die Fertigstellung ihrer Abschiedsgeschenke für die Viertklässler*innen auf dem Programm. Denn eine Woche später werden einige der 82 Jungen und Mädchen die Mira-Lobe-Grundschule verlassen und sollten schließlich noch ein schönes Andenken an ihre Mitschüler*innen bekommen. Während der kreativen Bastelzeit hatten alle den Freiraum, sich auch beliebig im Klassenzimmer zu bewegen. Diesen Freiraum haben sie jedoch auch in normalen Arbeitsphasen. Die Kinder haben hier die Möglichkeit ihren Arbeitsplatz in andere Räume der Schule zu verlagern und auf ihre aktuellen Bedürfnisse anzupassen. Dabei dient das gesamte Gebäudekonzept, das bei dem Bau mit dem Architekten entwickelt wurde, dazu, den Bedürfnissen der Schüler*innen gerecht zu werden, so dass die Schule zugleich ein wohltuender Lern- und Lebensort ist. So kann bei einer stressigen Phase auch mal der Rückzugsort die Lese- oder Bauecke sein. Oder zum konzentrierten Arbeiten das Lernkabinett.
Gemeinsames Lernen, aber auch Verantwortung übernehmen, ist der Mira-Lobe-Grundschule wichtig. Jeden Tag gibt es einen „Chef“, der die tägliche Routine am Morgen moderiert und mitbestimmen kann. Bei Änderungen im Schulalltag werden die Schüler*innen mit in die Diskussion genommen und können sich positionieren. Nach dem Unterricht, als die Kinder zum gemeinsamen Mittagessen aufbrachen, hatten wir noch die Möglichkeit, durch die freundliche und offene Art von Nataliya Shcherbakova, der anderen Lehrkraft der Klasse, unsere Fragen beantwortet zu bekommen. Hier konnten wir unter anderem erfahren, wie die Mira-Lobe-Grundschule konzeptionell aufgebaut ist. Zudem konnten wir unseren positiven Eindruck der Schule gerade durch die Besichtigung der einzelnen Räume unterstreichen.

 

Zwar haben wir heute keine Abkühlung bekommen oder konnten uns mal gegenseitig so richtig nass machen, doch haben wir eine schöne Schule besuchen dürfen, die uns mit ihren vielen interessanten Möglichkeiten nachhaltig beeindruckt.


1 Birger Schlichting hospitierte im Rahmen seines Praktikums in der Bildungsabteilung der EKD mit Heike Beckmann von der Evangelischen Schulstiftung in der EKD die Mira-Lobe-Grundschule am 27. Juni 2019